Hand aufs Herz: Nach welchem Prinzip verhältst Du Dich, geneigter Leser?

Schau auf die letzten drei Dinge, die dir Anstrengung abforderten: Wie viele davon waren Ausgleich von Schwächen, wie viele waren Ausbau von Stärken?

Umfragen belegen klar: Für die überwältigende Mehrheit der Befragten ist es wichtiger, ihre Schwächen auszugleichen. So stimmten der Frage „Glauben Sie, dass herausragende Leistungen am besten dadurch erreicht werden, indem persönliche Schwächen erkannt und behoben werden?“ 87% der Befragten zu (Gallup-Studie).

Falls Du auch zu dieser Mehrheit gehörst, tröste dich: Es ist ein überwältigender kultureller Sog, der uns zu diesem Verhalten erzieht. Er beginnt spätestens in der Schule: Wenn in Mathe eine 5 geschrieben wird, sind die Einsen in Englisch und Französisch sekundär. Anstatt auf die Idee zu kommen, dass das Kind ja auch noch Lust am Chinesisch lernen haben könnte, wird bis zum Anschlag Mathe gepaukt. 77% der Eltern in den USA glauben, dass die niedrigste Note die meiste Aufmerksamkeit braucht.

In Deutschland existieren Sprüche wie: „Nicht gemeckert ist genug gelobt.“ Dieses Denken bestimmt unser Verhalten am Arbeitsplatz, unseren Umgang mit anderen und noch wichtiger: den Umgang mit uns selbst. Wir konzentrieren uns auf die „Fehler“, auf das, was noch nicht so gut läuft. Wir sind eine Kultur des erhobenen Zeigefingers. Wir ermahnen uns gern gegenseitig, wir sind uns in der Regel ständig unserer Schwächen bewusst, nicht selten geißeln wir uns dafür.

Im Bereich der Technik und Wissenschaft hat diese Fokus auf Schwächen klare Vorteile: Wenn ich in ein Flugzeug steige, habe ich gerne das Gefühl, das die Ingenieure alle Flugschwächen beseitigt haben.

Doch was bewirkt dieser Fokus auf Schwächen, wenn wir ihn auf unsere eigenes Innenleben anwenden und ihn zum Leitbild für unsere Entwicklung erheben?

Leser, Du ahnst es bereits: Es ist fatal, wenn wir uns – und andere – als Defizitwesen begreifen. Der innere Zeigefinger auf unsere Schwächen macht uns müde, gereizt, bedürftig, und, selbst wenn wir uns bis zur Erschöpfung bemühen, bestenfalls mittelmäßig.

Wir haben lange genug gelernt, wie wir mit unseren Schwächen umgehen. Nun ist es Zeit zu lernen, wie wir mit unseren Stärken umgehen!


Lass mich Dir eine Frage stellen:

„Warum ist es besser auf seine Stärken zu setzen?“

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